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Kompetenzmodell für Citizen Developer in drei Stufen

Vom KI-Anwender zur Tool-Verantwortlichen: Wie ein dreistufiges Kompetenzmodell Lernziele, Formate und Freigaben für Fachabteilungen zusammenbringt.

Wer in einem Unternehmen KI-Qualifizierung plant, steht schnell vor einer sehr gemischten Zielgruppe. Die Sachbearbeiterin, die mit einem Assistenten Texte überarbeitet, sitzt neben dem Controller, der sich mit KI-Hilfe eine eigene Auswertung baut, und der Teamleiterin, deren selbstgebautes Tool inzwischen die halbe Abteilung nutzt. Ein Einheitskurs wird keiner dieser Personen gerecht. Hilfreicher ist ein Kompetenzmodell, das Stufen beschreibt und jeder Stufe eigene Lernziele, Formate und Freigaben zuordnet.

Ausgangslage: Viel Nutzung, wenig Schulung

Eine repräsentative Bitkom-Befragung von 1.005 Personen aus dem Sommer 2025 zeigt die Lücke deutlich. Ein Fünftel der Berufstätigen (20 Prozent) wurde vom Arbeitgeber bereits im KI-Einsatz geschult. Weitere 6 Prozent hätten ein Angebot, haben es aber noch nicht wahrgenommen. Der großen Mehrheit von 70 Prozent wird keine KI-Fortbildung angeboten.

Bitkom empfiehlt, KI-Schulungen bedarfsgerecht, zielgruppenspezifisch und kontinuierlich anzulegen. Neben technischen Grundlagen und dem konkreten Anwendungskontext sollen rechtliche und ethische Fragen vorkommen. Vollständige Weiterbildungskonzepte sollten außerdem einen Raum zum Ausprobieren, Lernen unter Kolleginnen und Kollegen (Peer-Learning) und Netzwerke für informellen Austausch enthalten.

Zielgruppenspezifisch heißt in der Praxis: Sie brauchen Stufen.

Ein bewährtes Muster: drei Rollen auf einem Lernweg

Microsoft beschreibt in seinen Empfehlungen für die Power Platform einen ähnlichen Ansatz. Dort werden drei Rollen unterschieden, die einen Weg von der ersten Neugier bis zum Mehrwert für das ganze Unternehmen markieren:

  • Explorer wollen die eigene Arbeit erleichtern. Ihre Fragen lauten: Was ist das Werkzeug, wie baue ich etwas, welche Leitplanken gelten?
  • Innovator bauen Lösungen für ihr Team. Sie interessieren sich für fortgeschrittene Funktionen und wollen genau wissen, welche Regeln gelten.
  • Champions schaffen Lösungen mit Wirkung über die Abteilung hinaus und geben ihr Wissen weiter.

Auffällig ist, dass die Frage nach den Leitplanken schon auf der ersten Stufe steht. Leitplanken (Governance) sind in diesem Modell kein Anhang für Fortgeschrittene, sondern Teil des Einstiegs.

Das Modell für KI-gestütztes Bauen übersetzt

Für Citizen Developer, also Beschäftigte ohne Entwicklerrolle, die mit KI eigene Tools und Auswertungen bauen, lässt sich das Muster in drei Kompetenzstufen übertragen:

Stufe Rolle Lernziel Freigabe
1 KI-Anwenderin Möglichkeiten und Grenzen kennen, Datenregeln einhalten, Ergebnisse prüfen Persönliche Nutzung freigegebener Tools
2 Bauende im Fachbereich Ein eigenes Arbeitsproblem zerlegen und in einer Sandbox, also einer abgeschirmten Testumgebung, als Tool umsetzen Persönliche Hilfsmittel, Teamtools nur mit IT-Paten
3 Tool-Verantwortliche Tools übergeben, dokumentieren, pflegen und andere unterstützen Teamtools im Regelbetrieb, nach Prüfung

Nicht alle Beschäftigten müssen alle Stufen durchlaufen. Stufe 1 richtet sich an alle, die KI nutzen. Stufe 2 und 3 sind für ausgewählte Personen gedacht, die tatsächlich bauen wollen und sollen.

Formate passend zur Stufe

Microsoft rät, Tiefe der Betreuung und Skalierbarkeit auszubalancieren. Einsteiger profitieren von einfachen, häufigen Kontaktpunkten, die nicht überfordern. Die mittlere Stufe braucht eine Mischung aus kurzen Einführungen und vertiefenden Sitzungen. Die fortgeschrittene Stufe braucht praktische Vertiefung und persönliches Coaching.

Daraus ergibt sich eine mögliche Zuordnung:

  • Stufe 1: kurze Einführungen, Vorführungen mit Fragerunde, Selbstlernmaterial und eine klare Anlaufstelle für Fragen.
  • Stufe 2: praktische Bauworkshops, Vorlagen, Sprechstunden mit erfahrenen Kolleginnen und ein eigenes Praxisprojekt aus dem Arbeitsalltag.
  • Stufe 3: Coaching, Regeln zu Prüfung und Lebenszyklus der Tools sowie die Rolle als Ansprechperson im Champions-Netzwerk.

Microsoft erwähnt auch Abzeichen und Zertifizierungen als Motivation. Für ein internes Programm reicht eine schlichte interne Dokumentation des Stufenabschlusses. Sie macht Fortschritt sichtbar, ohne etwas zu versprechen, was kein Zertifikat leisten kann.

Ein Punkt aus den Microsoft-Empfehlungen wird oft unterschätzt: Citizen Developer haben ein Tagesgeschäft. Ohne Zustimmung der Führungskraft, Zeit zum Lernen freizuhalten, bleibt jede Stufe Theorie.

Was das für Ihr Qualifizierungsprogramm bedeutet

Ein Kompetenzmodell ist mehr als eine Kursliste. Es verbindet Lernziele mit Rechten: Wer Stufe 2 abgeschlossen hat, darf in der Sandbox bauen; wer Stufe 3 abgeschlossen hat, darf ein Teamtool in den Betrieb übergeben. Damit wird Qualifizierung zum Teil Ihrer Governance, und umgekehrt.

Für die Planung empfehlen sich vier Schritte:

  1. Zielgruppen erfassen. Wer nutzt KI heute schon, wer baut bereits, oft unbemerkt? Unser Beitrag zur Schatten-IT durch KI-Tools zeigt, warum diese Bestandsaufnahme lohnt.
  2. Stufen an Freigaben koppeln. Das Ampelmodell auf unserer Governance-Seite gibt dafür ein Raster vor.
  3. Dokumentation mitdenken. Eine interne Dokumentation je Stufe hilft, die Schulungspflicht nach Art. 4 AI Act nachvollziehbar zu dokumentieren. Was diese Pflicht seit dem Omnibus umfasst, lesen Sie im Beitrag KI-Kompetenz nach Art. 4 AI Act.
  4. Zeitbudgets mit Führungskräften klären, bevor die erste Gruppe startet.

Fazit

Gestufte Lernwege lösen das Grundproblem gemischter Zielgruppen: Jede Person lernt, was zu ihrer Rolle passt, und das Unternehmen weiß, wer was bauen darf. Die Stufen aus unserem Programmentwurf folgen genau dieser Logik.

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